Auch wenn es vor den Sommerferien keine Proben von Chören gibt, die Musik soll nicht schweigen und Gottesdienste dürfen auf jeden Fall gefeiert werden, wenn die entsprechenden Abstände eingehalten und Hygieneschutzregeln beachtet werden. Kirchenmusikerin und Sopranistin Uta Singer lädt für drei Donnerstage im Juni und zwar am 4. Juni, am 18. Juni und am 25. Juni, jeweils auf 19 Uhr zu sommerlichen Abendgebeten in die große evangelisch-reformierte Kilianskirche Schötmar ein.

„Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden.“ – Ein Kanon mit diesem Text kommt in den Sinn. Die Worte laden dazu ein still zu werden, demutsvoll
zu schweigen und aufzuhorchen, und zwar mit dem Herzen, und schließlich in sich selbst Frieden zu finden. Der Text entstammt den Worten eines Benediktinermönchs aus Nursia. Tatsächlich ist diese Haltung eine kostbare Voraussetzung für einen innigen Gesang, bei dem Körper und Seele Resonanzraum für den jeweils ganz eigenen Klang werden. Diesen Klang können Menschen nicht außerhalb ihres Selbst finden.
Aus der Stille heraus werden dann die Töne wahrnehmbar, besonders die leisen, die wie ein Keim die Kraft des starken und nach außen strahlenden Tones in sich tragen. Diesen Keim können Singende im Summen spüren, in der Resonanz, die im besten Falle im ganzen Körper zu vibrieren beginnt. Gerade in der momentanen Situation soll das im gemeinsamen Treffen als Weg nach innen erforscht werden.

Interessanterweise steht diese in sich gekehrte Haltung im Gegensatz zu dem, was die Natur gerade anbietet: einen strahlenden, sprießenden und überschwänglichen Frühling, der in vollem Reichtum nach außen drängt. Diesen Zustand besingen zahllose Lieder, und wenn Menschen nicht ganz abgekoppelt von ihrer Umgebung leben, spüren alle doch den Drang des frühlingshaften Aufbrechens. Das Wochenlied für den ersten Gottesdienst nach dem Stillstand am 3. Mai war „Gott gab uns Atem, damit wir leben“. Gerade der Atem ist es, der gesunden lässt und Körper und Geist belebt. Das Vertrauen in den eigenen Atem und die Lebenskraft, die sich aus dem Atem speist, sollte sich niemand ausreden lassen. Enge und Verängstigung könnten die Folge sein. Doch gemeinsames Singen und Beten, und auch das Schweigen verleihen den Menschen Halt und Widerstandskraft. Nicht zufällig heißt es im 150 . Psalm „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“, weil es dieses Loben im Hier und Jetzt hält und ihm eine gemeinsame Stimme gibt. All das wird Ausdruck und kräftigende Liebeserklärung an die Schönheit des Lebens und an die Schöpfung.

Melodien im Herzen und auf den Lippen dürfen darum nicht verstummen. Im Gegenteil: Sie sollen reichlich Raum bekommen. Darum die Einladung in die Kilianskirche zum gemeinsamen Schweigen und Hören, zum Beten und Summen.

Im Rahmen der „Abendgebete im Einklang“ werden sie gesät werden, die Samenkörner in Form von gesummten Liedern und Melodien. Samenkörner, die später dann summend auf der Straße und singend zuhause aufgehen dürfen. (Uta Singer)